Inhaltsüberblick

Zum Hintergrund der Publikation: 
Diversität darf keine bloße Fassade sein

 

In Anbetracht der weltweiten politischen Entwicklungen ist die Anerkennung von Diversität und Gleichstellung keine Selbstverständlichkeit und schon gar keine unumstößliche Errungenschaft. Vielmehr zeigt sich, dass diese fundamentalen Prinzipien immer wieder neu verhandelt, verteidigt und aktiv gestaltet werden müssen. Auch in Österreich sind Rückschritte deutlich erkennbar – etwa durch die Einführung sprachlicher Genderverbote im Bereich der Verwaltung und Gesetzgebung, die nicht nur symbolisch, sondern auch strukturell eine Abkehr von Gleichstellungszielen bedeuten.

Ein besonders deutliches Bild zeichnet der vom damaligen Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport (BMKÖS) in Auftrag gegebene „Gender Report im Bereich Kunst und Kultur“. Mit einem Gender Pay Gap von 18,4 % (Stand 2022) liegt Österreich im europäischen Vergleich erschreckend weit hinten. Über alle Branchen hinweg weist der Kunst- und Kulturbereich dabei den größten geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied auf – ausgerechnet jener Bereich, der für gesellschaftliche Offenheit, Innovation und kritische Reflexion stehen sollte.

Doch es sind nicht nur Zahlen, die zum Nachdenken anregen. Auch strukturelle Ungleichheiten, wie sie sich etwa im sogenannten Tokenism – also der oberflächlichen Repräsentation von Diversität – zeigen, offenbaren ein tiefgreifendes Problem: Diversität wird zur Fassade, anstatt als gelebte Realität in Strukturen und Entscheidungsprozessen verankert zu sein. Das gezielte Hinarbeiten auf fairere, inklusivere Arbeitsumfelder sowie das Anstreben gerechterer Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe dürfen somit niemals als abgeschlossen betrachtet werden. Sie sind als kontinuierliche, langfristige Aufgabe zu sehen, die unabhängig von politischen Strömungen und gesellschaftlichem Gegenwind mit Beharrlichkeit weitergeführt werden muss.

Genau aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, diese Broschüre zu gestalten. Sie knüpft an die bestehende Arbeit der IG Kultur Steiermark an, die sich im Rahmen ihrer Diskursschiene seit vielen Jahren mit Fragen der Diversität, Gleichstellung und diskriminierungskritischer Kulturarbeit auseinandersetzt. Die Publikation vereint Kurzversionen von Beiträgen, die in den vergangenen Jahren erarbeitet wurden sowie neu in Auftrag gegebene Texte, die allesamt in voller Länge auf unserer Website nachgelesen werden können. Sie schaffen Bewusstsein für verschiedene Formen von Diskriminierung und stellen zugleich konkrete Instrumente zur Verfügung – etwa in Form von Fairnesskatalogen, Awareness-Standards oder anderen Handlungsempfehlungen für eine gerechtere Kulturpraxis. Den Abschluss bilden kulturpolitische Forderungen, die aufzeigen, was es braucht, damit Diversität im Kulturbereich nicht nur proklamiert, sondern tatsächlich verwirklicht wird.

Bettina Mair, Graz 2026

Inhaltsübersicht
 

 

Was sind Diversitätskompetenzen & wie können wir sie lernen?
Adjanie Kamucote, Eli Taxacher

Fairness codieren, Kultur verändern: Ein Überblick über den Fairness Codex
Susanna Arlt

Awareness und Inklusion im Veranstaltungskontext
Sarah Kampitsch

Gendergerechtes Kuratieren und Veranstalten
IG Kultur Steiermark Kulturradio

Transfeindlichkeit: eine ehrliche Auseinandersetzung mit Diversität im kulturellen Feld
Samuel Schröttenhamer, Bettina Mair

Dazu darf man heutzutage schon gar nichts mehr sagen
Adjanie Kamucote

Künstlerische Inklusion als gesellschaftliche Gestaltungskraft
René Corvaia-Koch

Immer noch „Die Anderen“
Ali Özbaş

Inreach statt Outreach. Über Diversität und Wege der Transformation im Kulturbereich
Monika Pink, Anne Wiederhold-Daryanavard: 

Diversitätsorientierte Kulturförderungen
IG Kultur Steiermark


HINWEIS

Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir im Rahmen dieser Broschüre Themen lediglich anreißen. Sie bedürfen einer viel tiefergehenden Auseinandersetzung. Die Publikation versteht sich als Instrument, um Sichtbarkeit zu erzeugen. Die Inhalte der Printversion stellen zudem gekürzte Versionen von teilweise deutlich längeren Texte dar. Im Inhaltsverzeichnis oberhalb finden sich Links zu den jeweiligen Volltexten auf unserer Website.